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Hintergrund

Wer wir sind

Die Unterschriftenaktion “Mehr Krippenplätze in Hannover” wurde von Elterninitiativen ins Leben gerufen, die im Jahr 2010 neue Krippengruppen für Kinder unter 3 Jahren in Hannover eröffnen wollten. Im Dezember 2009 wurden sie von der Stadtverwaltung gestoppt, da die Planungen für den Ausbau der Krippenplätze bis 2013 bereits abgeschlossen sind. (siehe Haz vom 11.01.2010) Für neue Kita-Gründungen stehen damit keine Haushaltsmittel mehr zur Verfügung, weder für die notwendigen Investitionen noch für die laufenden Betriebskosten. Ohne diese Zuschüsse durch die öffentliche Hand würden sich die Elternbeiträge auf das Drei- bis Vierfache der “normalen” Elternbeiträge belaufen.

Was wir wollen

Mit der Unterschriftenaktion verfolgen wir das Ziel, auf den Mangel an Krippenplätzen aufmerksam zu machen, indem wir den Betroffenen eine Stimme geben. Er bedeutet für viele Eltern nicht nur einen unzumutbaren Aufwand für die Suche nach einem Platz, sondern auch erhebliche Einschränkungen in der Lebens- und Berufsplanung. Wir verfolgen nicht das Ziel, den Bedarf an Betreuungsplätzen zu erheben. Dies ist eine komplexe Aufgabe, die auf fundierter wissenschaftlicher Basis erfolgen muss. Der Mangel an Krippenplätzen betrifft zudem nicht nur die Interessen von Eltern mit Kleinkindern. Gerade Freunde und Verwandte unterstützen die jungen Eltern häufig ganz wesentlich, in dem sie die Kinder zeitweise betreuen. Ohne diese familiären und freundschaftlichen Ersatzleistungen stünden viele Eltern noch ratloser da. Weitere Betroffene sind auch die Arbeitgeber der Mütter und Väter, die unfreiwillig nicht oder in geringerem Umfang berufstätig sein können. Die Unterschriftenaktion ”Mehr Krippenplätze in Hannover” können daher alle unterzeichnen, denen dieses Anliegen am Herzen liegt.

Informationen zum Rechtsanspruch ab 2013

Ab dem Kita-Jahr 2013/14 wird es in ganz Deutschland einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für ein- bis dreijährige Kinder geben. Um dem Bedarf gerecht zu werden, soll im Bundesdurchschnitt eine Betreuungsquote von mindestens 35% erreicht werden. Das heisst für 35% der Kinder zwischen ein und drei Jahren soll ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen, entweder in Kindertageseinrichtungen oder bei Tageseltern. Um den Ausbau zu finanzieren, haben sich Bund und Länder auf ein kompliziertes Finanzierungsmodell geeinigt (siehe Beschluss vom 28.08.2007). Mit der Festlegung der Zielgröße von 35% wurde davon ausgegangen, dass sich 65% der Eltern von Ein- bis Dreijährigen gegen eine Fremdbetreuung und für die Betreuung innerhalb der Familie entscheiden.

Wenn diese Annahme nicht stimmt und der Bedarf der Familien höher liegt, wird die Einhaltung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz problematisch. Insbesondere die kommunalen Spitzengremien, wie der Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Städtetag, haben sich bereits kritisch geäußert. Sie schätzen den Bedarf höher ein und befürchten, dass es 2013 zu einer Klagewelle von Eltern kommt. Um den Rechtsanspruch einhalten zu können, fordern sie mehr finanzielle Unterstützung der Länder und des Bundes (siehe Süddeutsche Zeitung vom 11.01.2010).

Informationen zum Krippenplatz-Ausbau in Hannover

Da der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in Städten in der Regel höher liegt als im ländlichen Raum, haben sich viele Städte etwas höhere Ziele als 35% gesetzt.  So auch die Stadt Hannover. Sie möchte bis zum Jahr 2013 eine Betreuungsquote von 40% erreichen und damit rund 5000 Plätze für Kinder unter drei Jahren, teils in Einrichtungen und teils in Tagespflege, bereitstellen. Deswegen wurde im Jahr 2008 ein stufenweiser Ausbauplan beschlossen. Bis 2013 sollen jährlich 300 neue Krippenplätze entstehen, insgesamt 1500 neue Plätze über einen Zeitraum von 5 Jahren. Hinzu kommen sollen insgesamt 300 zusätzliche Plätze bei Tageseltern (Drucksache 0049/2008).

Aktuell stehen im Stadtgebiet Hannover ca. 2530 Krippenplätze und rund 1100 Plätze bei Tageseltern zur Verfügung. Während der Ausbau der Plätze bei Tageseltern im letzten Jahr in hohem Tempo vorangeschritten ist, blieb der Ausbau von 230 neuen Krippenplätze im Jahr 2009 hinter der Zielmarke von 300 neuen Plätzen zurück (siehe Haz vom 11.01.2010). Der  aktuell vorliegende Kindertagesstättenbericht aus dem Jahr 2009 geht von einer Betreuungsquote der unter dreijährigen Kinder von 23,1% aus, bezieht sich allerdings noch auf die Daten von Oktober 2008. Da Hannover seit 2007 einen Anstieg der Geburten zu verzeichnen hat, ist die Altersgruppe der unter Dreijährigen in den Jahren 2008 und 2009 um 161 bzw. 174 Kinder gewachsen. Wenn diese Bevölkerungsentwicklung anhält, bedeutet dies letztlich, dass mit der gleichen Anzahl an Plätzen eine insgesamt geringere Betreuungsquote erzielt wird. Inzwischen geht man daher eher davon aus, dass im Jahr 2013 38% der unter dreijährigen Kindern mit Betreuungsplätzen versorgt sein werden.

Informationen zum Bedarf der Familien

Die Annahme, dass eine Betreuungsquote von 35% nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, ist inzwischen weit verbreitet. Das neue Angebot schafft auch eine neue Nachfrage. Durch die Präsenz des Themas Krippenbetreuung in der öffentlichen Diskussion, können sich mehr Eltern eine Fremdbetreuung in den ersten Lebensjahren vorstellen als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Zudem ist mit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 der Wiedereinstieg der Mütter in den Beruf nach 12 Monaten zum Normalfall geworden. Bei einer Forsa-Umfrage gaben 66 Prozent der jungen Frauen an, dass sie eine Krippe oder Tagesmutter in Anspruch nehmen wollen. Von den jungen Akademikerinnen hätten sogar 78 Prozent gerne einen Krippenplatz. Da Betreuungsquoten in annähernd dieser Größenordnung in Ostdeutschland schon Normalität sind, ist nicht auszuschließen, dass sich der Bedarf in Westdeutschland daran anpassen wird (vergleiche Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes).

In einer Stadt wie Hannover stellt sich insbesondere die Frage nach unterschiedlichen Bedarfen in den einzelnen Stadtteilen und Stadtbezirken. Nach der städtischen Bedarfsprognose ist dieser am höchsten im Stadtbezirk Vahrenwald-List. Hier fehlen im Jahr 2010 weit über 500 Krippenplätze. Auch die Stadtbezirke Mitte, Südstadt-Bult, Misburg-Anderten und Linden-Limmer sind mit jeweils rund 200 fehlenden Plätzen stark betroffen (vergleiche Kindertagesstättenbericht 2009). Um zu vermeiden, dass diese fehlenden Plätze lediglich Zahlen bleiben, hoffen wir auf eine rege Beteiligung an der Unterschriftenaktion “Mehr Krippenplätze in Hannover”. Damit aus Zahlen Namen werden.

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